Zum Schutz der Deichschafe

Niederkasseler sollen giftiges Jakobskreuzkraut jäten

 

Ansehnliche Blüte, aber giftig: An Straßenrändern und Böschungen ist das anspruchslose Jakobskraut häufig anzutreffen.  Foto Inga Sprüngen

Damit wieder Deichschafe eingesetzt werden können, muss die Stadt Niederkassel das giftige Jakobskreuzkraut auf dem Rheindeich bekämpfen. Doch nicht völlig alleine – die Bürger sollen dabei helfen.

Manchmal muss buchstäblich Gras über eine Sache wachsen, damit sie gut werden kann. Das gilt auch für den Rheindeich der Stadt Niederkassel, der durch seine Begrünung gefestigt wird. Auf dem Deich stehen neben Gräsern allerdings auch blühende Kräuter, von denen einige im Volksmund als Unkraut betitelt werden, etwa das Jakobskreuzkraut. Dieses liegt nicht nur der Stadt sprichwörtlich schwer im Magen: Blüte und Kraut der Korbblütler enthalten einen natürlichen Giftcocktail, der nicht nur Menschen, sondern auch weidenden Tieren wie Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen nicht bekommt, zuweilen mit tödlichem Ausgang.

Daher bekämpft die Stadt Niederkassel die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes auf dem Deich mit regelmäßiger Mahd. Gemäht werden dabei zuweilen auch jene Blütenstreifen und Blühinseln, welche eigens zum Artenschutz angelegt wurden und auf denen sich das Kreuzkraut ohne Mahd durch Versamung unaufhaltsam vermehren würde. Sofern es die Pandemie zulässt, sollen im Juni oder Juli die Bürger bei der Bekämpfung helfen, ehe eine alte, schonenden und zugleich nachhaltige Form der Deichpflege reaktiviert werden könnte. Die Nutzung von Deichschafen.

Diskussion im Umweltausschuss

Mehrfach hatten die Umweltpolitiker des Rates die Deichpflege in der Vergangenheit auf ihrer Agenda gehabt. Und auch der nach der Kommunalwahl neu strukturierte Ausschuss für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz sollte sich gleich im ersten inhaltlichen Tagesordnungspunkt der Sitzungsperiode auf Antrag der SPD mit dem Deich befassen.

Der Gegenwind von der Verwaltung und insbesondere der CDU war heftig. Denn die Stadt führe nach eigenen Bekunden und Rückmeldungen anderer Beteiligter ihre Mäh- und Pflegearbeiten am Deich grundsätzlich nach vorgeben  des Artenschutzes durch. Die SPD beantragte, die gelebte Praxis der Mahden mit einem formalen Beschluss zu festigen. Ein Antrag für eine Praxis, die es schon gebe- das mache sachlich wenig Sinn, so die Verwaltung, die dem Ausschuss empfahl, den Antrag abzulehnen: “Der einzige Unterschied ist, dass das durchgeführte Konzept nicht mit anderen Behörden formalisiert wurde.” Einen Anlass hierzu gebe es nicht, so die Verwaltung.

Auch die Grünen blieben diplomatisch: “Inhaltlich ist er gut, praktisch lehnen wir ihn ab.” Es folgte ein lebhafter Schlagabtausch zwischen CDU und SPD über die Sinnhaftigkeit des Antrages mit gegenseitigen Vorwürfen, Argumente seien “albern” oder “Kappes”. Am Ende gelang es der Ausschussvorsitzenden Inka Saldecki (Grüne), das Hin und Her von Argumenten, Änderungs- und Ergänzungsanträgen zu ordnen: Während der SPD Antrag im Kern mehrheitlich abgelehnt wurde, herrschte Einigkeit über den vom Grünen-Ratsmann Ulrich Buchholz vorgetragenen Vorschlag, die Wiedereinführung der Deichschafe zu prüfen.

Die Pflege der Grünflächen des Rheindeichs der Stadt Niederkassel könnten zukünftig wieder Schafe übernehmen. Foto: Norbert Lukas

Verwaltung begrüßt Vorschlag

Ein Vorschlag, den die Verwaltung begrüßte. “Wir bemühen uns seit Langem drum. Schafe sind in der Tat die beste Möglichkeit, aber es gibt kaum jemanden, der uns die Schafe zur Verfügung stellen kann”, erklärte der Beigeordnete Stephan Smith und erinnerte an den früheren Schäfer, einen ehemaligen Mitarbeiter der städtischen Abwasserwerke, der vor nicht allzu langer Zeit die Deichschafe aus Altergründen aufgeben musste.

Allerdings hätten sich die Voraussetzungen für die tierischen Deichschützer geändert: die Tier benötigen nun nicht nur frisches Wasser, sondern auch einen mobilen Unterstand. Zudem sei es schwer, überhaupt noch Schäfer im Kreisgebiet zu finden, so Smith

Quelle: General Anzeiger

 

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